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BLOG: Den Welthunger bis 2030 bekämpfen: Ursachen verstehen, Lösungen umsetzen

Verfasst von Svenja Brink am 02.11.2018 unter Blog

Genius-Volontärin Svenja Brink berichtet vom „Future Food Forum 2018“ – dem Zukunftsforum zur Welternährung in Berlin

Die Bekämpfung des Hungers auf der Welt bis zum Jahr 2030 („Zero Hunger in 2030“) ist das ehrgeizige Ziel, das sich die Weltgemeinschaft gesetzt hat. 2012 vom damaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon initiiert, haben die Vereinten Nationen es in die Liste ihrer 17 „Sustainable Development Goals“ aufgenommen. Am 16. Oktober wurde das globale Anliegen beim „Future Food Forum 2018“ in Berlin diskutiert.

Dr. Burkhard Lohr, K+S-Vorstandsvorsitzender und Gastgeber der Veranstaltung, betonte in seiner Rede die Dimension, die die Bekämpfung des Hungers mit sich bringt: „Bis 2050 werden wir einen Anstieg des Nahrungs- und Futtermittelbedarfs um 70 Prozent haben.“

Auch Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, präsentiert nachdenklich stimmende Zahlen. „Allein heute sterben 15.000 Kinder an Hunger.“ Und er betonte: „Hunger ist Mord!“ Die Ursachen seien vielfältig, Krieg spiele eine zentrale Rolle; auch die fehlende Gleichberechtigung der Frau, unfaire Handels- und Konsummuster sowie der fehlende Wille von Regierungen trügen zum derzeitigen Zustand bei. Der Minister führte aus, dass die Weltbevölkerung jährlich um 80 Millionen Menschen wachse, aber im gleichen Zeitraum circa zwölf Millionen Hektar fruchtbares Ackerland verloren gingen. So forderte er eine „Ressourcenrevolution“ und einen faireren Agrarhandel mit Afrika. Dazu gehörten auch der Wissenstransfer auf den afrikanischen Kontinent und die Ausbildung der dortigen Kleinbauern.

Die Europäische Kommission war mit Dr. Tassos Haniotis, Direktor für Strategie, Vereinfachung und Politikanalyse, vertreten. „Die Landwirtschaft trägt mit rund zehn Prozent zum Klimawandel bei“, machte er deutlich. Er fordert deshalb einen Wandel der Landwirtschaft, um endlich das alte Dilemma „Ökonomie versus Ökologie“ aufzulösen.

Martina Fleckenstein, Leiterin Landwirtschaft und Landnutzungswandel beim WWF Deutschland, forderte, dass die Menschheit weniger tierische Proteine konsumieren sollten. Nur so seien die Ressourcen Boden und die Biodiversität zu erhalten. Und: „Wir müssen endlich rauskommen aus dem Silodenken.“ Landwirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungspolitik müssten gemeinsam gedacht werden.

Live zugeschaltet plädierte Wolfgang Drechsler, Afrika-Korrespondent des Handelsblatts, leidenschaftlich für einen Wandel in Afrika. Er beobachte das große Bevölkerungswachstum dort mit größter Sorge. „Alle Kontinente haben ihre Geburtenraten von 4,2 auf zwei reduziert“, gab er zu bedenken. Auf dem afrikanischen Kontinent ginge sie lediglich von sechs auf fünf Kinder zurück. Dies bringe die Gefahr größter Armut und Hungersnöte mit sich.

Dr. Arif Husain, Chefökonom des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, ging auf den Zusammenhang von Hunger und Migration ein. Er benannte den Klimawandel neben Kriegen als eine Hauptursache für Hunger. Aber er sprach auch eine Wahrheit an, die alle Industrieländer angeht: „Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird verschwendet.“ Gleichzeitig skizzierte er mögliche Lösungen aus der Krise: die Ermächtigung der Frau, Bildung sowie Geldtransfers. Diese Vorschläge wurden in einer Podiumsdiskussion vertieft. Dabei wies Prof. Dr. Harald Grethe, Agrarökonom der Humboldt-Universität zu Berlin, auf die Bedeutung des Handels hin. „Wenn der Handel stoppt, beginnt der Krieg.“ Später am Nachmittag sprach Prof. Dr. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Instituts. Auch er fragte: „Wie können wir Bevölkerungspolitik so gestalten, dass weniger Kinder als etwas Positives gelten?“

Handfester und weniger theoretisch wurde es dann beim Start-up & Business Slam, wo beispielsweise der Anbau von Algen als ein Ansatz zur Bekämpfung des Welthungers vorgestellt wurde.

Das Fazit der Veranstaltung: „Zero Hunger in 2030“ ist durchaus möglich. Wir haben die Kapazitäten und das Wissen, um den Hunger zu bekämpfen – jetzt fehlt nur noch der Wille!

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