Skip to main content

Ausflug zum Hauptstadtbasilikum

Verfasst von Nina Parzych am 11.10.2017 unter Unternehmensnews

Was macht ein Gewächshaus in einem ehemaligen Industriekomplex inmitten der Hauptstadt? Das fand das Berliner genius-Team am 10. Oktober 2017 heraus, als es an einer Führung teilnahm, bei der der Geruch von Basilikum, Buntbarschen und Wandel in der Luft lag. Eine Mitarbeiterin der ECF Farmsystems GmbH erklärte auf dem geschichtsträchtigen Gelände der Malzfabrik Schöneberg, was sich hinter den Glasfronten verbirgt.

Tank und Beet gesellt sich gern

Die Idee der Gründer der Stadtfarm ist zusammengefasst recht simpel, doch in der Umsetzung durchaus komplex: Sie wollten einen Kreislauf schaffen, bei dem Fische und Nutzpflanzen gleichzeitig kosteneffizient und ressourcenschonend produziert und regional vertrieben werden. Ziel war es, das Wasser zirkulieren zu lassen: Das nährstoffreiche Wasser der Fische soll zur Bewässerung der Pflanzen genutzt werden. Am Ende soll der von den Pflanzen produzierte Wasserdampf wieder eingefangen und in die Fischtanks geleitet werden.

Um wettbewerbsfähig zu sein, entschieden sie sich jedoch für zwei Wasserkreisläufe. Denn Fische und Pflanzen entwickeln sich nur bei unterschiedlichen pH-Werten optimal. Dennoch gibt es den ursprünglichen Synergieeffekt: Die in Aquakultur gehaltenen Barsche schwimmen in Wasser, welches durch ihre Ausscheidungen mit Ammonium angereichert wird. Anschließend wird das Wasser durch einen Biofilter geleitet, wo das Ammonium in pflanzenverfügbares Nitrat umgewandelt wird. Am Ende gießt man damit die Pflanzen und deckt dadurch einen großen Teil des Düngebedarfs.

Die Kombination schlägt sich auch im Namen wieder: Man nennt solche Anlagen Aquaponik-Farmen, da „Aquakultur“ und „Hydroponik“ verknüpft werden. Doch so ganz stimmt es nicht mehr, da Hydroponik ursprünglich einen Anbau gänzlich ohne Erde meint, im Berliner Farmsystem aber mittlerweile wieder auf Blumenerde zurückgegriffen wird.

Von der Fischpatenschaft zum Erfolgsmodell

Seit 2 1/2 Jahren ist die kleine Farm nun in Betrieb. Was mithilfe einer Crowdfunding-Aktion via Fischpatenschaften im Familien- und Freundeskreis begann, ist nun ein kommerziell erfolgreiches Geschäftsmodell. Mittlerweile plant und baut das junge Unternehmen auch Farmsysteme für Kunden. So ist bereits eine Anlage in der Schweiz realisiert worden und eine in Belgien (Brüssel) ist derzeit in Planung.

Die 1,5 Millionen teure Anlage beherbergt heute 13 Fischtanks und produziert rund 30 Tonnen Fisch pro Jahr. Auf der Pflanzenseite bauen die Betreiber derzeit ausschließlich Basilikum an. Vorher testete man auch andere Nutzpflanzen, darunter Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen. Der Handelskonzern REWE nimmt das Basilikum ab und verkauft es als „Hauptstadtbasilikum“ ausschließlich im Großraum Berlin. Kurze Transportwege ermöglichen bedeutende CO2-Einsparungen und sorgen dafür, dass die Pflanzen ohne „Transporttrauma“ zum Kunden gelangen, d. h. frischer bei den Verbrauchern landen und sich besser und länger halten. Die „Hauptstadtbarsche“ werden in den Frischfischtheken lokaler Geschäfte oder aber auch einzeln vakuumverpackt in der Region vertrieben.

Die Farm ist ein Beispiel für eine geglückte Idee, um nachhaltigen Anbau in die Stadt zu bringen. Wer mehr zum Thema erfahren will kann auch bei Pflanzenforschung.de weiter lesen: Im Artikel „Die essbare Stadt - Grüne urbane Trends zum Mitmachen“ schreiben wir über den Trend des „Urban Gardening“.